1,5 Millionen für Gernots Gesichtskontrolle?

Vergangene Woche hat die ESBG dem DEB bekanntlich das Mandat erteilt, das deutsche Minor-League-Eishockey im Konflikt mit dem DEB zu vertreten und um die Beibehaltung von Auf- und Abstieg zu kämpfen (Pro-Aufstieg berichtete). Wie von unterschiedlichen Seiten zu hören war, ist der DEB (und hierbei vor allem Franz Reindl) mit einer erfreulichen Entschlossenheit und Professionalität in die Sitzung mit der ESBG gegangen. Dies stimmt zuversichtlich, dass der DEB nicht als Grüß-Gott-August in Köln bei Gernot Tripcke III vorstellig wird. Das Armdrücken zwischen den DEL-Oligarchen und dem deutschen Eishockey kann also beginnen. Noch zuversichtlicher stimmt die Tatsache, dass auch DEL-intern immer mehr Akteure begreifen, dass die Abschaffung von Auf- und Abstieg eine beknackte Idee und kommunikationspolitische Katastrofe war.

Weniger zuversichtlich stimmen dagegen einige Zahlen, die bei der ESBG-Sitzung in München vergangenes Wochenende gerüchteweise kolportiert wurden. Konkret geht es dabei um Gernots Gesichtskontrolle: In München kursierten unterschiedliche Versionen davon, unter welchen Bedingungen die DEL künftig Aufsteiger aus der 2.Liga (respektive Quereinsteiger) ins Oberhaus reinlassen will. Diese Bedingungen sollen sich zum einen auf die Kapazität der Halle beziehen, zum anderen auf das Eintrittsgeld, das DEL-Neulinge künftig zu entrichten haben. Schon fast komödiantischen Charakter hat der meistgenannte Betrag: Demnach sollen DEL-Einsteiger (wir nennen sie bewusst nicht sportliche Aufsteiger) künftig 1,5 Millionen Euro auf den Tisch legen, um die Multifunktionsarenen in Hamburg oder Hannover bespielen zu dürfen. Pro-Aufstieg sagt hierzu: Hallo, geht's eigentlich noch?

Kein Zweitligaklub kann solch eine Summe aus dem Cash-Flow finanzieren. Kein Zweitligaklub kann solch eine Summe fremdfinanziert (also über den Kredit einer Bank) aufbringen. In Frage kommen bei solchen Dimensionen also nur noch Gelder, die von Großsponsoren fließen. In der zweiten Liga könnten hierfür gegenwärtig allenfalls Bietigheim (Porsche) und Wolfsburg (VW) in Betracht kommen. Also ausgerechnet jene Klubs, denen Tripcke III die infrastrukturellen Voraussetzungen für einen Aufstieg abgesprochen hat. Unter diesen Bedingungen wäre der sportliche Aufstieg de facto abgeschafft!

Wir betonen allerdings: Die genannte Summe ist als Gerücht in München kursiert, es handelt sich hierbei also nicht um eine Erste-Hand-Information. Wir sind aber sicher, dass sich die Journalisten, die diesen Blog lesen, bald schon der Frage annehmen: Wie streng ist Gernots Gesichtskontrolle?

Genauso muss aber die Frage gestellt werden: Welchen Zweck soll solch eine Gesichtskontrolle überhaupt erfüllen? Und wer bekommt das Geld?

Vor neun Jahren hatte die DEL (damals angeführt von Bernd Schäfer III) schon einmal die Schnapsidee, von Aufsteigern aus der 2.Liga ein Eintrittsgeld zu verlangen. Damals wurde die Aufnahmegebühr flugs von 30.000 DM auf 5 Millionen DM angehoben. Dr. Georg-Heinrich Kouba, der damalige, inzwischen verstorbene Vorsitzende des EHC Freiburg, kommentierte dieses DEL-Vorhaben mit einem legendären Satz: "Von heute an glaube ich, dass der Rinderwahnsinn auf die Menschen übertragbar ist."