Denn sie wissen nicht, was sie tun!

 

OFFENER BRIEF VON PRO-AUFSTIEG

AN DIE UNTERZEICHNER DES KOOPERATIONSVERTRAGES

 

Verehrte Dame, liebe Herren,

 

sie sollen mit Ihren Unterschriften den neuen Kooperationsvertrag zwischen der DEL, dem DEB und der ESBG sowie deren Clubs ratifizieren.

Wir fragen Sie:

Wissen Sie, welche Auswirkungen Ihre Unterschriften auf das deutsche Eishockey haben werden?

Wir sind der Meinung:
Nein, Sie wissen nicht, was Sie tun!

Von Beginn an hat sich ‘Pro Aufstieg’ gegen die Pläne zur Abschaffung der sportlichen Verzahnung sowie für den sportlichen Geist ausgesprochen. Nun sollen Sie, die Vertreter der DEL, am 19.12. den Vertrag unterzeichnen und Sie, die DEB- und ESBG-Vertreter, in den Tagen danach diesen gegenratifizieren.

Damit sind Sie für die Folgen dieses Vertrages, der bis zum 30.4.2011 datiert sein wird, verantwortlich!

 

Fakt: Die DEL - Die 1. Bundesliga spielt im Rahmen ihres Spielbetriebes ab der Saison 2006/2007 keinen sportlichen Absteiger mehr aus.

Sie bewirken damit,

1. dass die sportliche Verzahnung, also der sportliche Auf- und Abstieg zwischen den beiden höchsten Ligen im deutschen Eishockey, aufgrund wirtschaftlicher Interessen abgeschafft wird! Damit vernichten Sie die Seele des Sports.

2. dass für die Fans sportlich abgeschlagener DEL-Teams frühzeitig in der Saison der Anreiz schwindet, die Spiele ihrer Teams zu besuchen. Diese Fans wollen kein Tralala-Eishockey sehen, bei dem es um die Goldene Ananas geht! Dies wird dazu führen, dass die Zuschauerzahlen dieser Teams signifikant zurückgehen werden. Damit destabilisieren Sie Ihre eigene Liga!

3. dass die 2.Eishockey-Bundesliga als ehemals sportlicher Unterbau der DEL signifikant an Attraktivität verliert, da es künftig keine renommierten DEL-Absteiger mehr in der zweiten Liga geben wird. Dies wird dazu führen, dass die 2.Eishockey-Bundesliga sukzessive ausbluten wird. Im Klartext: Durch diesen Kooperationsvertrag wird die 2.Eishockey-Bundesliga platt gemacht.

4. die Amerikanisierung des deutschen Eishockeys. Sie verkennen damit, dass das deutsche Sportpublikum andere Ansprüche, Wünsche und Bedürfnisse hat als das Publikum in den amerikanischen Major Leagues. Damit zerstören Sie nicht nur eine deutsche Sporttradition, sondern auch dauerhaft die Chance, dass sich unterhalb der DEL ein attraktives Ligenwesen entwickeln könnte. Solch eine Strategie ist nicht visionär, sie ist reaktionär.

 

Fakt: Um in die DEL aufzusteigen, muss ein sportlich qualifizierter Club der ESBG laut Kooperationsvertrag ab der Saison 07/08 eine Lizenzvergütung an die DEL in Höhe von 800.000,- € bezahlen.

Sie bewirken damit,

1. dass die Option, das sportliche Aufstiegsrecht als Meister auch faktisch mit dem Aufstieg zu realisieren, für nahezu alle ESBG-Klubs in der 2.Bundesliga zunächst illusorisch und irreal würde. Von ein oder zwei Ausnahmen abgesehen kann kein Zweitligaklub diese Summe aus dem Cash Flow, dem Eigenkapital oder fremdfinanziert (Kredit) aufbringen. Dies führt in der Praxis dazu, dass der sportliche Wert der Zweitligameisterschaft zur Marginalie wird. Dies wird zu drastisch sinkenden Zuschauer- und Sponsorenerlösen in der 2.Liga führen.

2. dass Zweitligateams, die diese finanzielle Belastung als sportlicher Aufsteiger trotzdem stemmen wollen, nach einem DEL-Aufstieg zunächst nicht konkurrenzfähig sein werden. Wir von Pro-Aufstieg wissen, dass auch andere Finanzierungsmodelle in Betracht kommen – zum Beispiel jenes, zukünftige Erlöse aus Fernsehgeldern in den ersten Jahren an die Liga abzutreten. Diese TV-Gelder können also nicht in die Mannschaft investiert werden. Dies bewirkt erstens, dass das sportliche Niveau in der DEL sinkt. Dies bewirkt zweitens, dass die DEL drastisch an Ausgeglichenheit und Spannung verliert. Schlimmstenfalls bewirkt dies schließlich, dass ein Neuling aus der zweiten Liga zum Kanonenfutter wird. Dies widerspricht übrigens fundamental dem Ziel einer leistungsstarken DEL, wie es im Kooperationsvertrag formuliert wird. Das Gefälle zwischen starken und schwachen Teams in der DEL wird signifikant zunehmen.

3. dass ein anzustrebendes Solidaritätsprinzip im Eishockey nichtig wird. In der Fußball-Bundesliga manifestiert sich dieses Solidaritätsprinzip in einem Finanzausgleich, der bei der Verteilung der TV-Erlöse angewandt wird. Im deutschen Eishockey würde damit genau das Gegenteil praktiziert! Wir von Pro-Aufstieg weisen darauf hin: Solch ein Solidaritätsprinzip ist kein romantisches Sozialgelaber, sondern sportökonomisch sinnvoll. Denn: Ausgeglichene Liga heißt Spannung heißt volle Stadien. Eine Lizenzvergütung von 800.000€ bewirkt dagegen spannungsarme Spiele, leere Hallen, Langeweile.

By the way: Wer bekommt eigentlich das Geld und für was?

 

Wenn Sie, verehrte Funktionsträger des deutschen Eishockeys, diesen Vertrag in den kommenden Tagen unterschreiben, werden Sie das deutsche Eishockey in die 90er Jahre zurück katapultieren. Sie werden einen Fehler begehen, der die Fans aus den Stadien treiben wird. Sie werden dem Eishockey in Deutschland einen immensen Schaden zufügen!

Noch bleibt Ihnen Zeit, diesen Fehler zu vermeiden!

 

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